Als Lehrkraft wissen Sie, wie wichtig das Engagement Ihrer Lernenden ist. Aber es ist nicht leicht, Ihre Klasse einzubeziehen, wenn sie heimlich am Handy scrollt oder während der Lektion einschläft.
Engagement bedeutet mehr, als nur die Aufmerksamkeit Ihrer Lernenden zu halten – es geht darum, mit Unterrichtsstrategien Begeisterung für das Lernen zu wecken und zum Einstieg in die Lektion zu motivieren. Zum Beispiel ergab eine Gallup-Umfrage unter Gen-Z-Lernenden, dass 46 % der Befragten in der Schule begeistert waren, weil sie praxisnah lernen konnten.
Damit Sie Ihren nächsten Unterricht aufmischen können, haben wir eine Liste mit Strategien für mehr Engagement zusammengestellt, mit denen Sie Ihre Lektionen verändern und die Beteiligung fördern können.
1. Aufgaben und Lektionen mit den Zielen der Klasse verknüpfen
Eine der besten Strategien, um Engagement zu fördern, ist es, die Lernziele des Kurses mit jeder Aufgabe, Lektion und Aktivität zu verknüpfen. Das kann so einfach sein wie die passenden Ziele am Anfang von Präsentationen oder zu Beginn von Aufgabenstellungen zu nennen.
Wenn Sie die Kursziele regelmäßig wiederholen, hilft das Lernenden auch zu erkennen, wo sie mit dem Stoff stehen. Hat zum Beispiel jemand nach einer Lektion Schwierigkeiten, weiß die Person, auf welche Themen sie sich beim Nacharbeiten und bei Fragen konzentrieren sollte.
2. Mit einem passenden Warm-up starten
Egal, zu welcher Tageszeit – auch wenn der Morgen bekanntlich am schwersten fällt – direkt mit einer Lektion oder einem Vortrag zu beginnen, ist selten einfach. Ein Warm-up zu Beginn hilft dabei, von Anfang an alle einzubinden und zu fokussieren.
Schnelle Eisbrecher-Fragen sind der perfekte Weg, um Ihre Klasse sanft in den Lernmodus zu bringen. Steigen Sie zum Beispiel in ein neues Thema ein, fragen Sie die Lernenden vorher, was sie bereits darüber wissen.
3. Eine kurze Denkpause einlegen
Manchmal brauchen Lernende einen Moment, um sich neu zu sortieren, bevor es weitergeht. Etwas Schnelles und Ausgefallenes kann eine unterhaltsame Möglichkeit sein, am Ende einer informationsreichen Lektion neu anzusetzen. Sie könnten die Lernenden zum Beispiel bitten, ihre Stimmung an diesem Tag mit einem Emoji zu beschreiben.
4. Technologie als Werkzeug statt als Ablenkung sehen
Technologie kann einschüchternd wirken, wenn Sie sie nicht richtig nutzen. Wenn Smartphones Ihre Lernenden ablenken, ist es vielleicht Zeit, sie aktiv in Ihren Unterrichtsplan einzubinden.
Apps, Software und Online-Tools für mehr Engagement können die Erfahrung für alle verbessern. Anstatt dass Lernende einzeln die Hand heben und Fragen beantworten, können sie ihre Antworten zum Beispiel in einer Live-Abstimmung einreichen und in einer Wortwolke betrachten.
Technologie – insbesondere KI – kann Ihnen auch helfen, kreative Wege zu finden, um Ihre Lernenden einzubinden. Mit den richtigen KI-Prompts für den Unterricht erschließen sich Ideen für Eisbrecher, Unterrichtspläne und mehr.
5. Ihre Lektionen spielerisch gestalten
Lernenden kann es schwerfallen, sich zu konzentrieren, wenn jede Stunde eine 30-minütige Folienpräsentation beinhaltet. Sorgen Sie stattdessen für Abwechslung, indem Sie Unterrichtsspiele in Ihre Unterrichtspläne einbauen.
Wenn Sie zum Beispiel Verhandlungsführung im Geschäftsleben unterrichten, lassen Sie die Lernenden ein Szenario nachspielen, um Best Practices anzuwenden und die Perspektive einer Unternehmerin oder eines Unternehmers zu verstehen.
6. Lernende regelmäßig testen
Anstatt alle zwei Wochen eine umfangreiche Klausur zu stellen, setzen Sie lieber häufiger auf kurze Quiz-Tests, um Lernende während der Lektionen bei der Stange zu halten.
Kurze Stimmungschecks und aktives Abfragen helfen Ihnen zu erkennen, ob Ihre Lernenden aufgepasst haben und sich die Inhalte merken.
Wissenstests müssen auch nicht langweilig oder stressig sein. Statt Papier und Stift zu verwenden, probieren Sie ein interaktives Online-Quiz oder eine Trivia-Runde aus, die schnell und einfach einzurichten und durchzuführen ist.
7. Selbsteinschätzung fördern
Übungen zur Selbsteinschätzung stärken das Bewusstsein der Lernenden dafür, wie gut sie den Stoff verstehen, regen sie zu einer tieferen Auseinandersetzung mit dem Material an und geben ihnen mehr Eigenverantwortung für ihr Lernen.
Fördern Sie die Selbsteinschätzung mit einem Bewertungsraster, das Folgendes enthält:
- Zugehörige Kursziele
- Beschreibung des in der Lektion/Aktivität/Aufgabe geprüften Wissens
- Bereiche zur Bewertung von Verständnis oder Leistung
- Reflexionsfragen
Mit Bewertungsrastern können Lernende Aufgaben überprüfen und ihr Verständnis der Lektion einschätzen. Sie helfen den Lernenden außerdem zu verstehen, wie Sie ihre Arbeit bewerten.
Weitere Aktivitäten zur Selbsteinschätzung können sein, dass Lernende eigene Lernleitfäden erstellen oder ein Lerntagebuch für den Kurs führen.
8. Zeit für Peer-Feedback einplanen
Auch Ihre Klasse kann die Selbsteinschätzung gemeinsam angehen. Peer-Feedback hilft Lernenden, sich wohler dabei zu fühlen, Feedback zu geben und zu erhalten. Außerdem erhalten sie so eine Außenperspektive, die sie sonst vielleicht nicht bekommen hätten.
Um einen wirksamen Peer-Feedback-Prozess zu gestalten, geben Sie den Lernenden Kriterien für konstruktives und wirksames Feedback vor. Zeigen Sie diesen Prozess anschließend gemeinsam mit der Klasse an einem kurzen Textbeispiel.
Sie können Peer-Feedback als einmalige Aktivität oder als festen Bestandteil Ihres Unterrichtsplans nutzen. Sie könnten zum Beispiel verlangen, dass Arbeiten vor der Abgabe zur Bewertung von mindestens zwei anderen aus der Klasse gegengelesen werden.
9. Gemeinsam brainstormen
Brainstorming ist eine unterhaltsame Methode, um das Verständnis der Lernenden zu prüfen, da sie sich konzentrieren und sich Zeit für ihre Antworten nehmen müssen.
Außerdem können Lernende dabei kreativ denken und mit anderen zusammenarbeiten.
Sie könnten der Klasse zum Beispiel eine neue wissenschaftliche Theorie vorstellen und gemeinsam Wege sammeln lassen, wie man sie testen könnte. Im Literaturunterricht könnten Lernende über eine große Wendung in einem bekannten Roman sprechen und Alternativen entwickeln, die die Autorin oder der Autor hätte wählen können, um die Geschichte zu verbessern.
10. Lernende beim Unterrichten die Führung übernehmen lassen
Anstatt jede Diskussion und Lektion selbst zu leiten, lassen Sie Ihre Lernenden abwechselnd verschiedene Themen unterrichten. Verantwortung für ein Thema zu übernehmen, kann die Motivation steigern, den Stoff zu lernen und zu beherrschen. Beginnen Sie klein mit von Lernenden geleiteten Diskussionen oder integrieren Sie von Lernenden geleitete Lektionen im gesamten Kurs.
Um Kreativität mit den Kurszielen in Einklang zu bringen, geben Sie den Lernenden eine Liste mit Konzepten oder Themen, die sie besprechen müssen, zusammen mit ein paar Präsentationsoptionen. Manche teilen ihr Wissen lieber mit einer klassischen Folienpräsentation, andere bevorzugen praxisnahe Aktivitäten.
11. Diskussionen in Kleingruppen anstoßen
Manche Lernende beteiligen sich eher, wenn Sie Raum für kleinere Diskussionen schaffen. Hier ist ein Beispiel, wie Sie das umsetzen können:
- Informieren Sie Ihre Klasse vorab, wann die Diskussion stattfinden wird, damit sie diese während der Lektion im Blick behält.
- Wenn es Zeit für die Diskussion ist, teilen Sie die Klasse in kleinere Gruppen auf.
- Teilen Sie zwei bis drei offene Fragen, um das Gespräch anzustoßen, und lassen Sie die Gruppen etwa 10 bis 15 Minuten diskutieren.
- Wenn die Zeit abgelaufen ist, lassen Sie eine Person aus jeder Gruppe die Ergebnisse mit der restlichen Klasse teilen, oder jede Gruppe übermittelt ihre Gedanken über ein Kollaborationstool.
12. Fortlaufende Think-Pair-Share-Aufgaben stellen
Kleingruppen funktionieren nicht in jeder Klasse. Einen Hörsaal mit 500 Personen schnell zu organisieren, ohne wertvolle Unterrichtszeit zu verlieren, kann schwierig sein. Lassen Sie Ihre Lernenden stattdessen eine kurze Think-Pair-Share-Übung machen. Das könnte so aussehen:
- Lernende denken fünf bis zehn Minuten allein über eine Frage oder einen Impuls nach.
- Jede und jeder tut sich mit einer weiteren Person zusammen, um Gedanken auszutauschen.
- Einige Paare teilen ihre Gedanken mit der gesamten Klasse.
13. Eine Reflexionsrunde zum Stoff mit der ganzen Klasse abhalten
Reflexion ist ein wichtiges Werkzeug für Lernen und Weiterentwicklung. Lernende können zurückblicken und erkennen, was sie gelernt haben, wo sie besonders gut waren, was sie noch verbessern müssen und was ihr eigentliches Ziel ist.
Wenn Sie Ihren Lernenden diese Möglichkeit bieten, hilft ihnen das, den Fokus und den Überblick wiederzufinden. Das kann zu mehr Engagement führen, da sie den Zusammenhang jeder Lektion und den nötigen Aufwand besser verstehen.
14. Möglichkeiten für selbstbestimmtes Lernen bieten
Selbstbestimmtes Lernen kann eine häufige Frustquelle für viele Lernende beseitigen: Zeit. Komplexe Themen zu verstehen oder sich eine Reihe von Fakten zu merken, kann in einer einzigen Unterrichtsstunde schwierig sein.
Der „Flipped Classroom“-Ansatz ist eine Möglichkeit, Ihren Lernenden mehr Freiheit bei der Zeiteinteilung zu geben. Bei dieser Methode schauen sich Lernende Lektionen an und arbeiten den Stoff zu Hause durch.
So können Sie die Unterrichtszeit für gemeinsame Aktivitäten und Diskussionen zum Stoff nutzen. Teilen Sie den Lernenden die geplanten Aktivitäten und Themen vorab mit, damit sie sich entsprechend darauf einstellen können.
15. Flexible Aufgaben anbieten
Alle Lernenden nehmen Informationen unterschiedlich auf. Manche kommen mit klassischen Leseaufgaben gut zurecht, andere bevorzugen praxisnahe Projekte. Etwas Flexibilität kann Lernenden helfen, auf ihre Art zu lernen, während Sie trotzdem Ihre Kursziele erreichen.
Anstatt allen einen Aufsatz aufzugeben, könnten Sie den Lernenden zum Beispiel die Möglichkeit geben, ihr Wissen auf andere Weise zu zeigen, etwa durch:
- Ein Interview mit einer Fachperson zum Thema führen und eine Reflexion dazu einreichen
- Eine Videoversion eines Aufsatzes aufnehmen
- Eine Infografik oder ein E-Book zum Thema gestalten
16. Bestanden/nicht bestanden als Bewertungsoption erwägen
Mehr Strategien für Engagement einzuführen, kann für Sie und Ihre Klasse ein Balanceakt sein. Auf der einen Seite können anregende Aufgaben eine willkommene Abwechslung zu Vorträgen sein, auf der anderen Seite? Sie können mehr Arbeit – und Stress – für Lernende bedeuten und Ihren Zeitplan um zusätzliche Korrekturstunden verlängern.
Mit Bestanden/nicht bestanden können Sie Lernenden eine Aufgabe anrechnen, ohne den zusätzlichen Stress von Noten. Bewerten Sie zum Beispiel Diskussionen im Unterricht nach Bestanden/nicht bestanden, damit sich Lernende mehr aufs Mitteilen und weniger auf die „richtige“ Perspektive konzentrieren.
17. Verbindungen zum Alltag aufzeigen
Lernenden kann es schwerfallen, Konzepte und Theorien zu verstehen, wenn ihnen die Relevanz fehlt. Diese Verbindungen können je nach Fach sehr unterschiedlich aussehen. Unterrichten Sie zum Beispiel eine Lektion zu chemischen Reaktionen, gehen Sie die Schritte beim Backen eines Kuchens durch, um zu zeigen, wie solche Reaktionen Zutaten im echten Leben verändern.
Sie können außerdem alle dazu ermutigen, persönliche Geschichten und Erfahrungen zu teilen. Wenn Sie ein historisches Ereignis behandeln, fragen Sie die Lernenden nach einem Moment aus ihrem eigenen Leben, der damit zusammenhängt.
18. Klare Erwartungen an Engagement schaffen
Nach Jahren voller Folienpräsentationen freuen sich Ihre Lernenden wahrscheinlich über eine Lektion, die für Abwechslung sorgt. Manche könnten davon aber auch überrascht sein, wenn sie bisher noch nicht an solchen Aktivitäten teilgenommen haben.
Um Lernende vorab darauf vorzubereiten, nehmen Sie folgende Informationen in Ihren Kursplan auf:
- Zeitplan für Aufgaben, Aktivitäten und Lektionen
- Informationen zur Bewertung
- Erwartungen an das Engagement, insbesondere im Hinblick auf die Bewertung
19. Bei Bedarf anpassen
Manchmal müssen Sie schnell umdenken, wenn eine geplante Aufgabe oder Aktivität nicht funktioniert. Wenn die meisten Ihrer Lernenden zum Beispiel lieber über Urlaubspläne sprechen als über die Diskussionsfragen, kann das ein Zeichen sein, zu einer anderen Aktivität zu wechseln. Halten Sie eine Liste mit Aktivitäten, Aufgaben und Lektionen bereit, um schnell umschwenken zu können, wenn etwas nicht wie geplant läuft.
20. Regelmäßig zu Fragen ermutigen
Viele ansprechende Aktivitäten wirken, als bräuchten sie viel Vorbereitung oder Unterrichtszeit. Tatsächlich kann eine Strategie für mehr Engagement so einfach sein wie Raum für Fragen zu schaffen.
Sie können Lernende dazu ermutigen, Fragen zu stellen:
- Vor der Lektion , um den Bezug zu den Kurszielen herzustellen
- Während der Lektion , um Missverständnisse zu klären
- Nach der Lektion, um zu teilen, was noch unklar ist und wozu sie mehr erfahren möchten
Lernen ist keine Einbahnstraße. Wenn Ihre Lernenden offen teilen, womit sie gerade zu kämpfen haben oder was sie neugierig macht, können Sie sich laufend darauf einstellen.
21. Feedback von Lernenden einholen
Feedback hat einen doppelten Nutzen: Lernende können aktiver an ihrer Bildung mitwirken, während Sie besser verstehen, wie Sie das Engagement Ihrer Lernenden aufrechterhalten können.
Feedback kann Ihnen zum Beispiel helfen zu verstehen, welche Arten von Unterrichtsstrategien Ihren Lernenden helfen, sich Inhalte besser zu merken, und welche eher dazu führen, dass sie abschalten und mit den Gedanken abschweifen.
So messen Sie Engagement
Mehr Engagement und Konzentration zu erreichen, klingt in der Theorie großartig – aber wie lässt sich das messen? Formative Lernstandserhebungen durchzuführen kann eine gute Möglichkeit sein, um zu erfassen, was Ihre Lernenden verstehen und was nicht.
So lässt sich auch erkennen, ob eine bestimmte Lektion zu schwierig ist oder die Unterrichtsstrategien einfach nicht bei den Lernenden ankommen. In Kombination mit Selbsteinschätzung und Feedbackformularen können Sie das Engagement dokumentieren und messen.
Lektionen mit Mentimeter ansprechender gestalten
Es gibt viele Strategien, um Ihre Lektionen lebendiger zu gestalten. Zum Glück gibt es auch zahlreiche Tools, die diesen Prozess für Ihren Online-, Hybrid- oder Präsenzunterricht erleichtern.
Mentimeter hilft Ihnen, aus Vorträgen und Unterrichtszeit echte Gespräche zu machen. Nutzen Sie statt einer statischen Folienpräsentation Mentimeter im Unterricht, um Diskussionen zu leiten, Lernenden Fragen zu ermöglichen und Feedback in Echtzeit zu besprechen. Nach dem Unterricht können Sie mit Mentimeter die eingereichten Antworten auswerten, um künftige Lektionen zu gestalten.
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