Der Dunning-Kruger-Effekt am Arbeitsplatz: So erkennen und meistern Sie ihn

October 12, 2020
Dunning-Kruger effect
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Niklas IngvarCTIO

Der Dunning-Kruger-Effekt führt dazu, dass Menschen mit wenig Wissen ihre Fähigkeiten überschätzen, während Expert*innen ihre eigenen oft unterschätzen. Am Arbeitsplatz kann das zu Fehlentscheidungen und schlechter Teamdynamik führen. Die Lösung? Eine Kultur, die auf ehrlichem Feedback, kontinuierlichem Lernen und dem Einholen von Expertenmeinungen basiert.

Was ist der Dunning-Kruger-Effekt?

Der Dunning-Kruger-Effekt ist eine kognitive Verzerrung, bei der Menschen mit geringer Kompetenz in einem Bereich ihr eigenes Können überschätzen. Ihnen fehlt nicht nur das Fachwissen, sondern auch die Fähigkeit, die eigene Wissenslücke – und die Expertise anderer – zu erkennen. Benannt wurde das Phänomen nach den Sozialpsychologen David Dunning und Justin Kruger.

Die wissenschaftliche Grundlage

Die Theorie basiert auf einer Reihe von Experimenten, die Dunning und Kruger 1999 durchführten.

Das Experiment von Dunning und Kruger (1999) In ihren Studien testeten die Forscher die Fähigkeiten von Teilnehmenden in Bereichen wie Humor, Logik und Grammatik. Anschließend baten sie die Teilnehmenden, ihre eigene Leistung im Vergleich zu den anderen einzuschätzen. Dieser zweistufige Aufbau ermöglichte den direkten Vergleich von tatsächlicher und wahrgenommener Kompetenz.

Die zentralen Ergebnisse: Überschätzung und Unterschätzung Die Ergebnisse zeigten ein klares Muster: Die leistungsschwächsten Teilnehmenden überschätzten ihre Fähigkeiten am stärksten. Im Gegensatz dazu unterschätzten die leistungsstärksten Teilnehmenden ihr eigenes Können, da sie fälschlicherweise annahmen, dass die Aufgaben auch für andere einfach seien.

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Figure 1: From “Unskilled and unaware of it: How difficulties in recognizing one’s own incompetence lead to inflated self-assessments” by J. Kruger and D. Dunning.

Die Psychologie dahinter

Zwei psychologische Konzepte erklären, warum dieser Effekt auftritt.

Illusorische Überlegenheit Die illusorische Überlegenheit ist die menschliche Neigung zu glauben, besser als der Durchschnitt zu sein. Eine bekannte Studie zeigte, dass sich 93 % der US-Autofahrenden für überdurchschnittlich gut hielten, was statistisch unmöglich ist. Dieser Glaube bildet die Basis für die Selbstüberschätzung bei Inkompetenz.

Fehlende Metakognition Metakognition ist die Fähigkeit, über die eigenen Denkprozesse nachzudenken und die eigene Leistung zu bewerten. Menschen mit geringer Kompetenz fehlt oft genau diese Fähigkeit. Dieselbe Wissenslücke, die zu schlechten Leistungen führt, verhindert auch, die eigene Inkompetenz zu erkennen.

Die Folgen des Dunning-Kruger-Effekts im Arbeitsalltag

In Teams und Unternehmen kann dieser Effekt spürbare negative Folgen haben.

  • Fehleinschätzungen und Fehler: Mitarbeitende überschätzen ihre Qualifikationen, übernehmen Aufgaben, denen sie nicht gewachsen sind, und bemerken ihre Fehler nicht.
  • Ignorierte Expertise: Das Fachwissen kompetenter Kolleg*innen wird nicht anerkannt. Wertvolles Feedback wird ignoriert und Lernchancen verpasst.
  • Ineffektive Meetings: Uninformierte Meinungen dominieren Diskussionen, während qualifizierte Beiträge von zurückhaltenderen Expert*innen untergehen.
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Figure 2: Illustrating The Dunning-Kruger effect. Figure by the author.

So überwinden Sie den Dunning-Kruger-Effekt

Die gute Nachricht: Niemand ist dem Effekt hilflos ausgeliefert. Mit den richtigen Strategien können Sie dessen negative Auswirkungen minimieren.

Selbstwahrnehmung durch Feedback stärken Fördern Sie regelmäßiges und ehrliches Feedback. Anonymisierte Feedback-Runden können Teammitgliedern helfen, ein realistisches Bild ihrer Stärken und Schwächen zu erhalten, ohne sich bloßgestellt zu fühlen.

Eine Kultur des Lernens etablieren Wissen ist der Schlüssel. Schulungen und Weiterbildungen verbessern nicht nur die Kompetenz in einer Aufgabe, sondern auch die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung. Je mehr wir lernen, desto besser erkennen wir, was wir noch nicht wissen.

Expertenmeinungen aktiv einholen Ermutigen Sie Ihre Teams, den Rat von Expert*innen einzuholen, bevor wichtige Entscheidungen getroffen werden. Das hilft, die eigene Perspektive zu hinterfragen und Wissenslücken zu schließen.

Eine offene Fehlerkultur schaffen Schaffen Sie ein Umfeld, in dem es in Ordnung ist, Fehler zuzugeben und daraus zu lernen. Wenn Inkompetenz nicht bestraft, sondern als Chance zum Wachsen gesehen wird, sinkt der Druck zur Selbstüberschätzung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was genau ist der Dunning-Kruger-Effekt? Der Dunning-Kruger-Effekt ist eine kognitive Verzerrung, bei der Menschen mit geringer Kompetenz ihre Fähigkeiten überschätzen, weil ihnen das nötige Wissen fehlt, um ihre eigene Inkompetenz zu erkennen.

Ist jemand immun gegen den Dunning-Kruger-Effekt? Nein, niemand ist davor sicher. Wir alle können in Bereichen, in denen wir wenig Wissen haben, zur Selbstüberschätzung neigen. Selbst Expert*innen können fälschlicherweise annehmen, dass ihr Wissen auf andere Bereiche übertragbar ist.

Gibt es ein Gegenteil des Dunning-Kruger-Effekts? Das Gegenteil ist die Tendenz hochkompetenter Menschen, ihre eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen. Dies wird manchmal mit dem Hochstapler-Syndrom in Verbindung gebracht, bei dem Menschen trotz erwiesener Erfolge an ihren Talenten zweifeln.

Danke an Diana Diez, die an diesem Artikel mitgeschrieben hat.

Referenzen

Dunning, D. (2011). The dunning-kruger effect. On being ignorant of one’s own ignorance. In Advances in Experimental Social Psychology (1st ed., Vol. 44). Elsevier Inc. https://doi.org/10.1016/B978-0-12-385522-0.00005-6

Dunning, D., & Helzer, E. G. (2014). Beyond the Correlation Coefficient in Studies of Self-Assessment Accuracy: Commentary on Zell & Krizan (2014). Perspectives on Psychological Science, 9(2), 126–130. https://doi.org/10.1177/1745691614521244

Kruger, J., & Dunning, D. (1999). Unskilled and unaware of it: How difficulties in recognizing one’s own incompetence lead to inflated self-assessments. Journal of Personality and Social Psychology, 77(6), 1121–1134. https://doi.org/10.1037/0022-3514.77.6.1121

Svenson, O. (1981). Are we all less risky and more skillful than our fellow drivers? Acta Psychologica, 47(2), 143–148. https://doi.org/10.1016/0001-6918(81)90005-6

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